Wohnungen für Beschäftigte des Ministeriums für Außenhandel: Diesen Auftrag realisierte von 1982 bis 1984 ein Planungskollektiv der Bauakademie der DDR unter der Leitung von Michael Limberg in der Wallstraße 88a–90 in Berlin-Mitte. Die direkte Lage am Spreekanal sowie die gehobene Ausstattung des Gebäudes mit einem hauseigenen Casino und einem privaten Friseur- und Kosmetiksalon zeugen vom gesellschaftlichen Stellenwert der Bewohnerinnen und Bewohner. Die Mitarbeitenden des Ministeriums waren mit dem wichtigen Erwerb von Devisen und Gütern aus dem westlichen Ausland betraut.
Auch der prominente Künstler Walter Womacka und seine Ehefrau Hanni Womacka zogen in die Wallstraße. Die Wohnung in der Hausnummer 90 war individuell nach den Wünschen des Künstlers gestaltet und besaß ein Atelier mit Ausstellungsraum. Womacka führte zahlreiche Aufträge für öffentliche Bauten in Ost-Berlin aus. Zu seinen bekanntesten Werken zählt das Mosaik am „Haus des Lehrers“ unweit des Alexanderplatzes.
Eine Besonderheit verbirgt sich in der Konstruktion des Wohngebäudes: Bedingt durch zahlreiche Herausforderungen, die sich aus dem Baugrundstück und der historischen Nachbarbebauung ergaben, wurde das Gebäude nicht aus Fertigteilen montiert, sondern gemauert. Das war eine Seltenheit im Ost-Berlin der 1980er Jahre, wodurch sich im Entwurf und in der Ausführung zahlreiche Freiheiten ergaben. Das Haus passt sich dem Verlauf der Wallstraße an und bildet aufgrund seiner Ecklage einen städtebaulichen Akzent, der auf Fernwirkung bis hin zum Spittelmarkt konzipiert wurde. Vor- und Rücksprünge leiten zu den Nachbarhäusern über und lassen eine gemeinsame Front zur zeitgleich gestalteten Uferpromenade entstehen.
Dr. Christoph Rauhut, Landeskonservator und Direktor des Landesdenkmalamtes Berlin: „Das Wohngebäude knüpft mit hoher Qualität an die Bebauung der Wallstraße aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert an, ohne dabei seine spätere Entstehungszeit zu verschleiern. Es steht für den Wandel in der Architektur und Stadtplanung der DDR zu Beginn der 1980er Jahre. Historische Bauten wurden nun vermehrt saniert, Neubauten unter Bezugnahme auf den vorhandenen Bestand geplant. Der Blick von der Wallstraße 88a–90 auf die gegenüberliegende Fischerinsel verrät, womit Architekten und Stadtplaner brachen: Den dortigen Hochhäusern musste Ende der 1960er Jahre der gewachsene Fischerkiez weichen.“
Lars Dormeyer, Geschäftsführer der WBM: „Mit dem Wohn- und Atelierhaus erweitern wir unseren denkmalgeschützten Anteil im Portfolio. Rund 100 Denkmalensembles gehören bereits zur WBM und 18 Prozent unserer Wohnungen befinden sich in Gebäuden mit Denkmaleigenschaften – sie sind Teil unserer unternehmerischen DNA. Das zeigt einmal mehr, wie eng die WBM mit der städtebaulichen Kultur und Geschichte Berlins verbunden ist.“
Foto: Blick über den Spreekanal auf das Wohn- und Atelierhaus
Copyright: Landesdenkmalamt Berlin, Thorsten Dame
