Machbarkeitsstudie für zentrales Entwicklungsareal in Friedrichshain
Vorstellung der eingereichten Entwürfe
Die WBM hat das Planungsteam für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur künftigen Entwicklung des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Berlin-Friedrichshain ausgewählt. Die Entscheidung fiel im Rahmen eines qualitätsorientierten Auswahlverfahrens durch ein prominent besetztes Auswahlgremium.
Die Studie bildet die Grundlage für die weiteren Planungsschritte und wird noch im Juli 2025 starten. Deren Abschluss wird frühestens für Dezember 2025 erwartet.
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03 Architekten
Anlass und Aufgabenstellung
Der Entwurf für den Bebauungsplan ist zu einer Zeit entstanden in der die DDR Moderne noch nicht ausreichend gewürdigt wurde. Die Städtebaulichen Grundzüge der damaligen Planung wollten auf der einen Seite wieder klassische Straßenräume ausbilden und auf der anderen Seite Wohnraum schaffen. Wichtig und gut nachvollziehbar ist die Definition der Kreuzung, angemessen im Maßstab einer Großstadt und entsprechend der Bedeutung der Danzinger und der Landsberger Straße. Dafür sollte das SEZ abgerissen werden. Ansonsten wirkt der Entwurf architektonisch eher wie eine Volumenstudie, die Bauvorschläge wirken in großen Teilen unmotiviert und entsprechen nicht dem selbst gestellten Anspruch und der Bedeutung des Grundstücks. Gleichzeitig haben sich die politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen erheblich gewandelt. Unter dem Eindruck des Klimawandels müssen wir heute jeden Abriss eines Gebäudes wesentlich klarer begründen und können dies nur in Erwägung ziehen, wenn wir alle Alternativen vorher nachvollziehbar geprüft haben. Parallel haben wir mittlerweile eine differenziertere Wahrnehmung der DDR Moderne und erkennen vorurteilsfreier als früher die hervorragenden Qualitäten. die in einzelnen Bauten stecken.
Kollektives Gedächtnis
Aufgrund der Überformung durch die Nachnutzungen ist der Landesdenkmalrat damals der Empfehlung des Landeskonservators und Direktors des Landesdenkmalamtes gefolgt und hat das Gebäude nicht unter Denkmalschutz gestellt. Auch wenn einige aus dem Denkmalschutzrat die damalige Entscheidung problematisch finden, bietet die Entscheidung die Chance freier mit dem Bestand umzugehen. Auf diese Weise kann eine langfristig wirtschaftliche Lösung gefunden werden, die die wesentlichen Teile und die Idee des SEZ erhalten. Viele Berliner*innen verbinden positive Erinnerungen mit der Freizeit, die sie im SEZ verbracht haben. Oft sind es Erinnerungen aus Ihrer Kindheit. Der Ort ist im kollektiven Gedächtnis der Berliner als freier bunter Begegnungsraum für Alle abgespeichert. Eine realisierte Vision, eine grüne Oase der Freiheit zur Erholung vom grauen Berliner Alltag.
Wohnen am Park
Der Entwurf verknüpft die beiden städtebaulichen Vorstellungen. Mit der Randbebauung werden die Straßenräume und der Blockrand wieder definiert. Mit dem Hochhaus bekommt die Kreuzung, ihrer Bedeutung entsprechend, einen großstädtischen Akzent. Die Wohnbebauung öffnet sich zum Park. Gleichzeitig wird die Vision des SEZ einen offenen Raum für alle Bürger*innen zu schaffen weitergeschrieben. Die Haupthalle des SEZ wird zu einem Gewächshaus. Ein Garten als Eingang in den Park als gedeckter öffentlicher Raum für die angrenzende Bibliothek und Gastronomie. Eine Heterotopie, ein ruhiger Erholungsraum mitten im lauten Berlin, als neuer Zugang und Teil des öffentlichen Parks. (Wie beim ehemaligen Atochabahnhof in Madrid) Die Haupthalle des SEZ (früher Wellenbad und Schwimmbad und der ehemalige Eingangsbereich bis zur Baufuge der Eissporthalle werden erhalten. Alle anderen Teile werden abgerissen. Die zweigeschossigen Bereiche werden für die Zwecke der Stadtteilbibliothek saniert. Die Halle bleibt im ursprünglichen Zustand. Es werden nur einfache Maßnahmen zur Sicherung der Bauteile durchgeführt. Die ehemalige Farbigkeit wird wieder angestrebt. Ansonsten wird die Halle zu einem großen Gewächshaus. Die Glasscheiben im Erdgeschoss werden dementsprechend entfernt, um tagsüber den Zugang zum Park für jedermann zu ermöglichen. Die Träger der Eissporthalle und der Sporthalle werden gesichert und können über dem Supermarkt als Dach oder über dem Kindergartenfreibereich als Pergola, wenn möglich wieder eingesetzt werden. Ebenso wird versucht die einfach montierten Sonnenschutzelemente der Bürogebäude wieder zu benutzen. Alle anderen Baumaterialien des Abrisses sollten so sinnvoll wie möglich recycelt werden.
Reprogram Reuse Recycle
- Die Haupthalle des SEZ (früher Wellenbad und Schwimmbad und der ehemalige Eingangsbereich bis zur Baufuge der Eissporthalle werden erhalten. Alle anderen Teile werden abgerissen. Die zweigeschossigen Bereiche werden für die Zwecke der Stadtteilbibliothek saniert. Die Halle bleibt im ursprünglichen Zustand. Es werden nur einfache Maßnahmen zur Sicherung der Bauteile durchgeführt. Die ehemalige Farbigkeit wird wieder angestrebt. Ansonsten wird die Halle zu einem großen Gewächshaus. Die Glasscheiben im Erdgeschoss werden dementsprechend entfernt, um tagsüber den Zugang zum Park für jedermann zu ermöglichen. Die Träger der Eissporthalle und der Sporthalle werden gesichert und können über dem Supermarkt als Dach oder über dem Kindergartenfreibereich als Pergola, wenn möglich wieder eingesetzt werden. Ebenso wird versucht die einfach montierten Sonnenschutzelemente der Bürogebäude wieder zu benutzen. Alle anderen Baumaterialien des Abrisses sollten so sinnvoll wie möglich recycelt werden.
DMSW Architekten
SEZ – Ein Ort des Wandels und der Zukunftsperspektiven
Das SEZ-Areal an der Schnittstelle von Landsberger Allee und Danziger Straße ist ein historischer Ort des Wandels. Als Baudenkmal der DDR wurde es als Symbol für Fortschritt und Optimismus im Wettstreit mit West-Berlin errichtet. Über die Jahrzehnte prägten verschiedene Entwicklungsphasen das Gebiet – von der gründerzeitlichen Bebauung über die Einrichtung des Volksparks bis hin zum SEZ als Zentrum gemeinschaftlicher Freizeitgestaltung. Heute steht das Areal vor einer Neuausrichtung. Die Herausforderungen der Gegenwart und die Vision einer klimaneutralen Zukunft bis 2045 erfordern eine nachhaltige und zukunftsorientierte städtebauliche Strategie.
Stadt – Erholung – Zusammenleben. Das Leitmotiv
Das Konzept überträgt die historische Bedeutung des SEZ in einen zeitgemäßen Rahmen. Aus dem einstigen Sport- und Erholungszentrum wird eine neue Struktur für Stadt, Erholung und Zusammenleben, die verschiedene Nutzungen integriert und einen fließenden Übergang zwischen Stadt und Park schafft.
1 - Stadt – Struktur und Identität
Das städtebauliche Konzept orientiert sich am Bebauungsplan und setzt auf eine geschlossene Bauweise entlang der Straßen, die einen klar definierten Blockrand bildet. Städtebauliche Akzente strukturieren das Quartier: Ein zehngeschossiger Hochpunkt an der Ecke Landsberger Allee/Danziger Straße markiert die städtebauliche Präsenz, Arkaden entlang der Landsberger Allee stärken die fußläufige Verbindung und unterstreichen die urbane Atmosphäre, während ein Sonderbaukörper an der Ecke Landsberger Allee/Langenbeckstraße eine prägnante Eingangssituation in Richtung Volkspark Friedrichshain schafft. Der Blockrand ist als schallabschirmende Struktur konzipiert und bietet eine flexible bauliche Grundlage, die Wohnen, Gewerbe und gemeinschaftliche Nutzungen vereint. Die geschlossene Bebauung ist dabei für eine angemessenen Maßstäblichkeit durchgehend gegliedert. Die Randbebauung übernimmt neben der schallschützenden Funktion die Rolle einer semipermeablen Membran zwischen Urbanität und Erholung. Es entsteht im Inneren des Areals Raum für eine losere und in ihrer Höhe zum Park hin gestaffelte Struktur, die den fließenden Übergang zwischen städtischer Dichte und landschaftlichem Freiraum unterstützt. Drei torartige Zugänge verbinden den Stadtraum über das Quartier mit dem Volkspark Friedrichshain und schaffen eine durchlässige Übergangszone zwischen Stadt, Wohnquartier und Parkanlage. Die offen gruppierte Bebauung im Blockinnern ermöglicht Durchblicke und Durchgänge. Die grünen Fugen zwischen Blockrand und Innerer Bebauung lassen den Landschaftsraum aus dem Park bis an die Innenseite des Blockrandes fließen. Zeitgemäßes Wohnen und zirkuläre Nutzung verlangen nach effizientenund adaptierbaren Gebäudestrukturen. Aus der Lage im innerstädtischen Kontext entwickelt der Entwurf ortsangepasste Typologien. Der Entwurf basiert auf einem einheitlichen Konstruktionsraster, das drei unterschiedliche Wohnbau-Grundtypen integriert. Durch die variierenden Erschließungsformen – innenliegendes Treppenhaus, zentrale Gangerschließung und seitliche Laubengangerschließung – sowie differenzierte Gebäudetiefen ist ein vielseitiger Wohnungsmix abbildbar, der gezielt auf Belichtung, Lärmschutz und städtebauliche Rahmenbedingungen reagiert. Additive Stadtbauelemente wie Staffelgeschosse, Loggien, Balkone und Wintergärten sowie die versetzte Anordnung der Gebäudetypen verleihen dem Quartier Individualität und strukturieren den urbanen Raum. Die Gebäudestrukturen sind so dimensioniert und gegliedert, dass verschiedene Konstruktionsarten – etwa Holz oder Hybridbau – realisiert werden können. Eine zukünftige Um- und Nachnutzung ist bereits mitgeplant. Die offene Anordnung im Inneren des Areals sowie die gezielte städtebauliche Ausformulierung der Blockecken ermöglichen einen hohen Anteil an systemischen, modularen und vorgefertigten Bauelementen und gewährleisten eine effiziente und nachhaltige Umsetzung. Das bestehende Torgebäude in der Langenbeckstraße, an der ehemaligen Zufahrt im Westen des Grundstückes, ist in seiner Bestandsstruktur zu überprüfen. Nutzungsprogramatisch wird ein Studierendenwohnheim vorgeschlagen. Bei Nicht-Erhaltung ist es durch einen Neubau mit ähnlicher Kubatur ersetzbar.
2 - Erholung – Schwammstadt und Biodiversität
Das Quartier SEZ wird als klimaangepasster und nachhaltiger Wohnort nach dem Prinzip der Schwammstadt entwickelt. Durch gezielte Entsiegelung und ein integriertes Wassermanagement wird Regenwasser effizient gespeichert, versickert und für die Regulierung des Stadtklimas genutzt. Begrünte Innenhöfe, Dachflächen und Fassaden tragen zur Kühlung und ökologischen Kompensation bei. Ein zentraler Bestandteil des Entwurfs ist die Erweiterung des Lebensraums des Volksparks in die Stadt. Die Innenhöfe werden als vielseitige Biotope konzipiert, die Wildbienen, Amphibien und Kleinsäugern angepasste Lebensräume bieten. Artengerechtes Planen unter Einbezug von Tieren wird gezielt genutzt, um die Wechselwirkungen zwischen Architektur, Natur und Bewohnern zu stärken. Ein Innenhof fokussiert sich auf Wildbienen mit Blühwiesen aus standortangepasstem Saatgut, heimischen Kräutern sowie Nisthilfen. Ein weiterer Innenhof bietet Amphibien optimale Bedingungen mit einem flachen Teich, Ufervegetation sowie geschützten Unterschlupfmöglichkeiten. Der dritte Innenhof wird als Rückzugsort für Kleinsäuger konzipiert und bietet Igel-Durchgänge, Fledermausquartiere und Wildblumenwiesen als Nahrungs- und Schutzflächen. Die inneren Erschließungsflächen sind als Shared Spaces konzipiert. Sie bieten Platz für Fußgänger und Fahrräder, ermöglichen aber auch die Nutzung durch Rettungs- und Versorgungsfahrzeuge. Ausgewählte Dachflächen werden als gemeinschaftliche Räume aktiviert und bieten Platz für urban gardening, Erholung und Begegnung. Bewohner.innen können gemeinsam Grünflächen bewirtschaften, sich austauschen oder einfach entspannen. Die begrünten Zonen tragen zur Klimaregulierung bei, während flexible Nutzungen wie Workshops oder Sportangebote das Quartier beleben und den sozialen Zusammenhalt stärken.
3 - Zusammenleben – Vernetzung und soziale Räume
Das Quartier SEZ wird als integrativer Stadtbaustein entwickelt, der ein reiches Zusammenleben zwischen Menschen, urbaner Natur und Biodiversität ermöglicht. Durch die autofreie Gestaltung wird der öffentliche Raum aufgewertet und aktiv genutzt, während intelligente Mobilitätskonzepte auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt sind. Der private motorisierte Verkehr wird über eine Zufahrt an der Danzigerstraße organisiert und an der Langenbeckstraße parallel zur Anlieferung der Gewerblichen Nutzungen wieder nach außen geleitet. Alternativ ist eine oberirdische Quartiersgarage auf dem Gelände des ehemaligen Torgebäudes möglich. Grüne Fugen mit Fahrradstellplätzen sowie ein durchgängiges Fußwegenetz fördern eine umweltfreundliche aktive Mobilität. Die Wege im Inneren des Quartiers dienen neben der Erschließung der Gebäude und der Verbindung zum Park auch der Nutzung durch Micro- und Shared Mobility sowie als Zuwegung für Rettungsverkehr und Müllentsorgung. Die direkte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr über Tram- und Buslinien stärkt zusätzlich die urbane Integration. Ein zentraler Quartiersplatz ist der soziale Mittelpunkt. Er verbindet Wohnen, Gewerbe und gemeinschaftliche Einrichtungen und ist das Verbindungsglied zum Park. Bewusst platzierte Treffpunkte und vielseitige Begegnungsräume fördern den nachbarschaftlichen Austausch. Smarte Unterflursysteme sowie ein LoRaWan-Netzwerk ermöglichen einen effizienten Betrieb und fördern die intelligente Nutzung von Ressourcen. Die grünen Höfe erweitern den Lebensraum im Volkspark und sind gezielt der Natur und Biodiversität gewidmet. Sie schaffen Rückzugsorte für Menschen und gleichzeitig Habitate für Wildbienen, Amphibien und Kleinsäuger. Über Steganlagen können Bewohner diese ökologischen Räume erleben, ohne deren sensible Lebensräume zu beeinträchtigen. Begrünte Fassaden entlang der Quartiersränder fördern die Artenvielfalt und wirken als Klimapuffer zwischen Stadt und Wohnquartier. Der Übergang vom Quartier in den Volkspark bildet die gemeinschaftliche Grünfläche, die sich bewusst von den ruhigeren Innenhöfen absetzt und aktiven Nutzungen einlädt. Durch gezielt gestaltete Elemente entstehen Räume für Bewegung, Spiel und Erholung. Sportflächen, Spielplätze und Bewegungsangebote fördern die Gesundheit und aktiven Freizeitgestaltung. Sitz- und Aufenthaltsbereiche schaffen Orte der Begegnung und Entspannung. Das nachhaltige Energiekonzept kombiniert erneuerbare Energiequellen mit intelligenter Steuerung. Photovoltaikanlagen auf Dächern und Fassaden produzieren Strom, der in Batteriespeichern für maximale Autarkie bereitgestellt wird. Eine KI-gesteuerte Gebäudeautomation optimiert Verbrauch und Speicherung auf Quartiersebene, minimiert die Netzlast und senkt Betriebskosten. Das Konzept schafft Impulse für ein gerechtes Klimaquartier, das langfristig bezahlbare Nebenkosten sichert und eine resiliente urbane Zukunft fördert.
Eingartner Khoraami Architekten BDA
Erläuterungsbericht
Das Sport- und Erholungszentrum an der Landsberger Allee 77 bildete von 1981 bis 1991 einen Ankerpunkt im sozialen Gefüge Ostberlins und darüber hinaus in der Erinnerungslandschaft ostdeutscher Identität. Die einmalige Nutzungsmischung aus Wellenbad, Bowlingbahn, Eis- und Rollschuhlaufbahn, Sport- und Freizeitflächen sowie gastronomischen Angeboten ließ das SEZ schnell zu einer weithin bekannten Attraktion aufsteigen. Aus architektonischer Sicht ist es zudem ein bedeutendes Zeugnis postmoderner Architektur in den Spätjahren der DDR und für die internationale Baugeschichte von Interesse. Mit dem schleichenden Verfall des Gebäudes nach 1991 ging – trotz temporärer Nachnutzungen – nicht nur ein Ort kollektiver Begegnung verloren, sondern es entstand eine schmerzhafte funktionale Leerstelle im Stadgefüge. In der öffentlichen Debatte gilt das SEZ heute vielfach als ein Symbol für den Umgang mit DDR-Baukultur und dessen Würdigung in unserer Gesellschaft. Städtebaulich ist der Ort durch Spannungen geprägt: Die Danziger Straße und die umgebende Blockstruktur verweisen auf den Hobrecht-Plan und die ringförmigen Erweiterung Berlins ab 1862. Dem gegenüber steht die Landsberger Allee (ehemals Leninallee) als Magistrale des autogerechten Ostberlins der 1960er Jahre. Ein weiteres prägendes Element ist der Volkspark Friedrichshain, dessen charakteristisches Hippodrom bis an das Planungsgebiet heranreicht. Aufgabe dieser Machbarkeitsstudie ist es, im Rahmen des Bebauungsplans 2-43 zwischen diesen baulichen Realitäten zu vermitteln – und die soziale Leerstelle des SEZ nachhaltig zu schließen. Eine denkmalgerechte Wiederbelebung halten wir nach eingehender Prüfung und angesichts der Aufgabe für nicht realisierbar. Große Teile des ursprünglichen Inventars sind verloren und die Bausubstanz ist stark beschädigt. Die Tragstruktur allein zu erhalten, würde den sozialen und atmosphärischen Charakter des SEZ nicht transportieren.
Leitlinien des Entwurfs:
Ein sozialer Anker Vor diesem Hintergrund formuliert unser Entwurf zwei zentrale Prämissen: 1. Die Schaffung eines funktionierenden, ins Viertel eingebettete Sozialraumes als Ersatz für den verloren gegangenen. 2. Der Erhalt und die Transformation von ausgewählten Fragmenten des SEZ soll mit ihrer funktionalen Einbettung in das neue Quartier einhergehen. Dabei folgt der Entwurf den Vorgaben des Bebauungsplans 2-43 und sieht den weitgehenden Rückbau des SEZ vor. Ziel ist es, die räumlichen und sozialen Qualitäten des SEZ aufzugreifen und in eine zukunftsfähige Quartiersstruktur zu übersetzen – eingebunden in den historischen Kontext der Berliner Stadtentwicklung. Als Planungsgrundlagen dienen: die Gutachten des Bebauungsplan 2-43, Analysen historischer, georeferenzierten Karten, Fachliteratur zum SEZ, eine soziologischen Betrachtung der lokalen Bürgerinitiativen zum Erhalt des Gebäudes. Zudem stützen wir uns das digitale Geländemodell (DGM1) des ATKIS-Projektes und eigene Ortfotos von SEZ, Gelände und Nachbarschaft, die wir im Zuge mehrerer Besuche erstellt haben.
Städtebauliche Idee: Die Freiraum-Kaskade
Der Grundgedanke des Entwurfes leitet sich aus dem ehemaligen Badebereich des SEZ ab, der sich in farbintensiven Kaskaden in Richtung Außenbecken abtreppte. Dieses Motiv wird als „Freiraum-Kaskade“ neu interpretiert. Diese Freiraum-Kaskade verbindet die Straßenbahnstation an der Landsberger Allee mit dem drei Meter tiefer gelegenen Volkspark Friedrichshain über eine Abfolge von Höhenniveaus, Sichtachsen, Freitreppen und Tore. Sie beginnt am höchsten Punkt mit dem zentralen Quartiersplatz, einem öffentlichen Freiraum mit Nutzungen für die lokale Versorgung, darunter Gewerbe, Mobilität, Sport und Gastronomie. Damit knüpft er an die Tradition von nachbarschaftsprägenden Plätzen an, die im Hobrecht-Plan weit verbreitet sind, aber u.a. durch die hohe Lärmbelastung angrenzender Straßen nicht mehr nachbarschaftsfördernd wirken (siehe Arnswalder Platz oder Petersburger Platz an der Danziger Straße). Der geplante Quartiersplatz wird durch die Randbebauung vom Verkehrslärm abgeschirmt und bietet eine hohe Aufenthaltsqualität mit Café, Baumbestand und Schattenflächen, Sitzgelegenheiten und Raum für lokale Veranstaltungen. Zwei interne Nebenstraßen führen vom Platz in Richtung Park und Schule. Sie gehen fließend in Grünräume über, die über Rigolen in ein System zum Regenwasser- und Überflutungsmanagement eingebunden sind. Die zweite Stufe der Freiraum-Kaskade bildet der Innenhof des Trapezhauses, ein halböffentlicher Garten mit direktem Bezug zum Park. Das ehemalige Außenbecken des SEZ bleibt als renaturierte Wasserfläche im Gartenhof erhalten und ist in das Regenwasserkonzept integriert. Die dritte Stufe ist der Volkspark Friedrichshain, in den eine großzügige Freitreppe vor dem Trapezhaus führt. An der Freitreppe entsteht ein Freiraum für vielfältige Freizeitaktiväten: Sport, Spiel, Gärtnern und Erholung.
ENS Architekten BDA
Das Narrativ
„Die Bebauung des damals in der Königsvorstadt gelegenen Grundstücks und der Umgebung durch Wohngebäude begann zwischen 1869 und 1881, weitestgehend auf Grundlage des Hobrecht-Plans von 1862. Da sich die Fläche des Friedrichhains durch den Bau des 1874 eingeweihten „Städtischen Krankenhaus Am Friedrichshain“ verringerte, wurde der Park nordöstlich im Gegenzug erweitert. Die Grenzen des Neuen Hains reichten bis an der Danziger Strasse. Lediglich 2 Wohnblöcke des Hobrecht-Plans besetzten die Ecke der Landsberger Allee. In den 1960er Jahren wurden die durch Krieg zerstörten Wohnblöcke abgerissen. Auf dem ca. 5,6 ha großen Areal entstand 1981 der Neubau des Sport- und Erholungszentrums, SEZ genannt. Bestandteil der Anlage waren auch angrenzende Flächen des Neuen Hains.“ Ein wesentlicher Aspekt der Aufgabenstellung besteht darin die Geschichte des Ortes zu reflektieren, die sich in dem städtebaulichen Konzept angemessen wieder finden soll. Auch wenn wir das SEZ im Mittelpunkt dieser Geschichte sehen, stellen wir fest, dass das zum Abriss freigegebene Sport- und Erholungszentrum nicht losgelöst betrachtet werden kann von der Entwicklung des Friedrichhains und dessen Bedeutung an dieser Stelle in der Stadt. Nicht umsonst wurde dieser Ort für das SEZ gewählt „im Zentrum des Berliner Stadtgebietes“ und am Rand des innerstädtischen Hains. Das Narrativ kann nicht darin bestehen einzelne Teile eines Denkmals als Spolien zu erhalten und auszustellen. Wir suchen das Narrativ in einer Haltung, die vom Ort ausgeht und seine Einmaligkeit im Stadtkörper betont. Wir wollen umgekehrt denken, die Entwicklung dieses Areals muss vom Park Friedrichshain ausgehen! Die entscheidende Aussage unseres Konzeptes besteht darin die Parkseite des neuen Wohngebiets zur Vorderseite auszubilden.
Der Bebauungsplan
„Die wesentlichen Grundzüge der Planung sind die umlaufende Blockrandbebauung, die auch dem Lärmschutz dient.“ Unser Konzept übernimmt die „umlaufende Blockrandbebauung“, die hier, nicht wie sonst im Berliner Hobrecht-Plan, dazu dient nach allen vier Seiten städtische Räume zu bilden und privat von öffentlich zu trennen, sondern die Grenze zum Park Friedrichshain, oder umgekehrt gedacht die Grenze zur Stadt, zu markieren. In unserer Vorstellung lesen wir diese „Blockrandbebauung“ als über-dimensionale bewohnbare und begehbare Gartenmauer, die den Hain zur Stadt begrenzt. Diese Bebauung soll sich an der Dimension des Parkes orientieren und nicht an jeder Stelle auf die andere Stadtseite der Mauer reagieren. Siebengeschossig schmiegt sich die Gartenmauer um den Park. Im Erdgeschoss reagiert die urbane gewerbliche Nutzung auf die Stadtseite der Bebauung. Darüber kragt die begrünte Fassade der Wohnbebauung. Die begehbare Dachlandschaft dieser geknickten Wand bildet die grüne Krone der Mauer. „…des Weiteren ist die Bebauung im Blockinnern niedriger zu konzipieren als die Randbebauung.“ Nicht ohne Grund und aus den oben erwähnten Gedanken, wollen wir der Lesart des Planes eine andere Richtung geben. Bleiben wir zunächst bei den funktionalen Aspekten der Planung: die Randbebauung soll die dahinter liegende Wohnbebauung schützen und soll selbst bewohnt werden. Wir meinen, dass die maximale Tiefe des Bebauungsplanes für die Randbebauung (15 Meter Tiefe) keine qualitativ hochwertigen Wohnungen ermöglicht. Bei dem anzunehmenden Wohnungsschlüssel würden viele kleine Wohnungen einseitig und im schlechtesten Fall zur Straße ausgerichtet sein. Deshalb darf der schützende Rand nicht zu tief ausgebildet werden und ist in unserer Planung auf eine Gebäudetiefe von 13 Meter konzipiert. Gleichzeitig wollen wir die am meisten geschützten Wohnungen zahlenmäßig maximieren, um den größtmöglichen Effekt der schützenden Wand auszunutzen. Die innere offene Bebauung zum Park hin wird nicht niedriger, sondern gleichhoch wie ihre schützende Hintergrundbebauung ausgebildet. Über diese funktionalen Gründen hinaus erscheint uns die Höhenentwicklung für unser Konzept noch ausschlaggebender. Wir wollen den Standort vom Park aus denken und wir wollen eine Vorderseite zum Park schaffen. Der Friedrichshain ist KEIN Hinterhof. Die symmetrische Anlage und die Dimensionen der Türme sichern uns diese Lesart und selbstbewusst richten Sie sich zum öffentlichen Park Friedrichshain. Auf dieser Seite der Parkmauer verändert sich der Ausdruck der Häuser. Die Fassaden der Türme sollen begrünt werden und werden somit Teil des Parkes. Und noch einmal kurz zurück zum Narrativ, wir wollen das „Torhaus“ erhalten und ergänzen diesen reizvollen Eingang zum Park mit seinem Konterpart, einem Tor in der „Gartenmauer“, der den Ausgang aus dem Park zur Danziger Straße betonen soll. Als Nutzung des Torhauses können wir uns ein Jugendhaus vorstellen. Zweites Element ist das Wasserbecken, das mittig gelegen, die Anlage der Türme betont. Es verweist latent auf die bereits vor dem SEZ entstandene Nutzung des Ortes als ein öffentliches Schwimmbad im Neuen Hain.
Stefan Forster Architekten
Ausgangssituation
Der Bebauungsplan 2-43 sieht eine geschlossene VI-geschossige Bebauung mit einer Tiefe von 15m entlang der Landsberger Allee, im Bereich des MU1 vor. In WA2 und 3, entlang der Langenbeckstraße und der Danziger Straße wird eine geschlossene V-geschossige Bebauung vorgesehen. Im Bereich des MU2 ist eine Lefere eingeschossige Bebauung zur Unterbringung von Gewerbe vorgesehen. Das im Blockinnenbereich liegende Baufeld WA1 sieht eine lockere Bebauung mit z.B. Stadtvillen vor. Vorteile: Die geschlossene Blockrandbebauung fasst den Straßenraum und schafft einen vom Schall geschützten Blockinnenraum. Nachteile: Der kleinteilig bebaute Blockinnenbereich führt zu einer vollständigen Privatsierung der Freiflächen. Eine räumliche Fassung dieses Bereiches und eine Abgrenzung zum Park sind schwierig herzustellen.
Städtebauliche Idee
Ziel der Planungsaufgabe ist die Schaffung eines qualitativ hochwertigen Stadtquartiers, in dem unterschiedliche Nutzungen harmonisch zusammenfügt werden. Die neuen Bausteine sollen einen identitätsstiftenden und zukunftsweisenden Ort schaffen. Ein großzügiges öffentliches Wegenetz sichert die Zugänglichkeit und Vernetzung des neuen Quartiers mit den umgebenden Straßenräumen sowie dem Volkspark Friedrichshain. Die großflächige Erweiterung des Landschaftsraums schafft einen hohen Aufenthaltswert.
Konzept
Das städtebauliche Konzept sieht zunächst, analog zu den Vorgaben des B-Planes, eine geschlossene Blockrandbebauung entlang der Landsberger Allee, Langenbeckstraße und Danziger Straße vor. Durch das Heranrücken der möglichen Baumassen im Baufeld WA1 an die geplante Blockrandstruktur ergibt sich ein großzügiger Freiraum welcher als Erweiterung des Volksparks Friedrichshain verstanden wird. Ausgehend von der V- bis VI-geschossigen Blockrandbebauung entlang der drei angrenzenden Straßen schieben sich Seitenflügel in den Hofbereich welche durch VI-geschossige Kopfbauten im Innenbereich ihr räumliches Ende finden. Die dadurch entstehenden Höfe orientieren sich typologisch an den klassischen Berliner Hinterhofstrukturen, diese werden transformiert und zum Park geöffnet. Sie dienen der Erschließung der angrenzenden Häuser und bilden gleichzeitig einen halböffentlichen Bereich für die Anwohner:innen.Das oberste Geschoss wird als Staffelgeschoss ausgebildet und wird vom Straßenraum zurückversetzt angeordnet. An der Ecke Landsberger Allee und Danziger Straße wird ein markanter Hochpunkt als Identifikationsort für das neue Quartier geplant.
Erschließung
Diverse zweigeschossige Durchgänge in der Gesamtfigur vernetzen den Blockinnenbereich mit dem umliegenden Stadtraum und ermöglichen eine öffentliche Erschließung der Erweiterung des Volksparks. Die fuß- und radläufige Verbindung und Vernetzung mit dem Umfeld sind somit sichergestellt. Die Erschließung der Wohnhäuser erfolgt straßenseitig oderüber die halböffentlichen Innenhöfe. Die Adressbildung und Auffindbarkeit sind garantiert.
Das Narrativ
Die Bewohner:innen Friedrichshains erhalten zurück, was sie mit dem Abriss des SEZs verlieren: Eine öffentliche Fläche, in Form der Parkerweiterung, die ein breites Angebot an verschiedensten Betätigungsmöglichkeiten und Freizeitaktivitäten bietet. In die Gestaltung der Sport- und Erholungsangebote werden Bauteile und Objekte des ehemaligen SEZ integriert, die an die Geschichte des Ortes erinnern. Die großzügige Wasserfläche steht nicht nur symbolisch für das alte Erholungsbad der DDR, sondern erfüllt auch wichtige klimarelevante Funktionen die die Aufenthaltsqualität im Quartier verbessern.
Freiraumplanung
Das Freianlagenkonzept erzeugt eine weiträumige Vernetzung zwischen den hochbaulichen Strukturen, den angrenzenden Nachbarschaften und dem Volkspark Friedrichhain. Die Nutzungsverteilung und die künftige Entwicklung des Areals werden in eine flexible Gestaltsprache übersetzt und schaffen eine klar strukturierte und zeitgenössische Raumfolge. Die Freiraumgestaltung reagiert dabei auf die Außenanlagen des ehemaligen SEZ: Künftige Anwohner:innen und Besucher:innen erhalten eine großzügige öffentliche Parkfläche mit vielfältigen Aneignungsmöglichkeiten und Qualitäten. Zudem werden mit den zahlreichen Biotop- und Grünräumen ein starkes Zeichen für den klimaresilienten Stadtumbau und eine hohe Aufenthaltsqualität geschaffen. Das Freiraumkonzept folgt dem Prinzip „Wohnen im Park“ und ist geprägt von Offenheit und Durchlässigkeit, mit fließenden Übergängen zwischen öffentlichen, halbprivaten und privaten Teilräumen. Befestigte Flächen werden zugunsten von pflegeextensiven und versickerungsfähigen Grünflächen auf ein Minimum reduziert. Durch vegetative Elemente und eine dynamische Wegeführung entstehen zwischen den hochbaulichen Strukturen Grünräume mit schattenspendenden Bäumen, Blütensäumen und darin eingebetteten Spielund Gemeinschaftsinseln. Die Funktionsansprüche von Wohnen, Aktivität und barrierefreier Erschließung werden konsequent im Freiraumkonzept vereint: Die gemeinschaftliche Nutzung aller Bewohner:innen und Besucher:innen steht im Vordergrund: Alle können die zur Verfügung stehenden Freiräume gleichermaßen nutzen und mitgestalten. Angebote wie flexible Möblierung, Kinderspiel, urbanes Gärtnern, kommunikative Gemeinschaftsbänke laden zur spontanen Aneignung und zum Nachbarschaftstreff ein. Die Erdgeschosswohnungen erhalten qualitätsvoll gestaltete Terrassengärten die ein nötiges Maß an Privatsphäre gewährleisten. Öffentliche Erschließung / Vernetzung mit Stadtraum Aus Richtung Süden erfolgt die Haupterschließung über einen zentralen Durchgang entlang der Landsberger Straße der in „Hof“ mündet. Hier entsteht eine großzügige Fläche für Außengastronomie im Kontext der angrenzenden Ladengeschäfte. Die Dachflächen der Geschäfte werden mit Gewächshäusern und Anbauflächen versehen, aus denen die Nachbarschaft direkt ernten kann. In regelmäßigen Abständen werden entlang der Langenbecker Straße und der Danziger Straße Zuwegungen geschaffen, ein feingliedriges Wegenetz verbindet die Eingänge miteinander, es entstehen schnelle Verbindungen und lange Wege für kontemplative Spaziergänge. In den Wegekreuzungen entstehen Aufweitungen die als multifunktionale Flächen mit unterschiedlichen Nutzungen bespielt werden können. Hier können unter Anderem Freilichtausstellungen stattfinden, zudem werden Erinnerungsfragmente des ehemaligen SEZ platziert. Das zentrale Retentionsgewässer entsteht als eine zeitgenössische Übersetzung des ehemaligen Schwimmbeckens des SEZ und bildet einen der gestalterischen Schwerpunkte im Gesamtentwurf. Es entsteht ein attraktiver Ort für Naherholung und zugleich ein wertvolles Stadtbiotop. Entlang des Uferwegs werden großzügige Sitzelemente geschaffen die zum Verweilen einladen, die Insel inmitten des Gewässers erzeugt dabei eine spezifische Atmosphäre und einen besonderen Blickfang. Die sanft modellierte Topografie, der Klimahain und die Lichtung im Park laden zur freien Aneignung ein, mit dem Waldlabor entsteht ein Lern- und Experimentierort für das Vermitteln umweltpädagogischer Aspekte für Schulen und die angrenzende Kita.