Gesellschaft

Urbane Kindheit

3 min
Fast eine halbe Million Familien mit Kindern lebt in Berlin. Gerade in der Großstadt spielt genug Freiraum zum Entfalten sowohl in der Wohnung als auch im Stadtraum für alle Familienmitglieder eine zentrale Rolle. Wieso Begegnungsräume so wichtig für familienfreundliche Quartiere sind und welche Chancen Pop-up-Spielstraßen im urbanen Raum bieten.
Inhaltsverzeichnis

Freiraum für Großstadtfamilien

Platz zum Begegnen und Ausprobieren direkt vor der eigenen Haustür

Begrünte Innenhöfe, Spielplätze oder mit Stadtmöbeln ausgestattete Flächen zwischen den Häuserzeilen werden durch den begrenzten Platz in der Stadt häufig gemeinsam von den Mietenden genutzt oder gestaltet. So wird im begrünten Innenhof gemeinsam ein Gemüsegarten bewirtschaftet oder der Spielplatz vor der eigenen Haustür zusammen mit der Nachbarsfamilie besucht. Solche abgeschirmten und wohnungsnahen Flächen bieten Kindern im urbanen Raum großes Potenzial zum Ausprobieren und Entwickeln. Spielplätze, Höfe oder Gärten, die vorrangig Mieterinnen und Mieter des gleichen Wohngebäudes nutzen, wirken so der Anonymität der Großstadt entgegen. Kinder und Jugendliche können auf diese Weise auch außerhalb von Schule, Kindergarten oder Sportverein wichtige Sozialkontakte zu Gleichaltrigen knüpfen.

KiTa und Kieztreff unter einem Dach

Solche Begegnungs- und Freizeitmöglichkeiten direkt im Quartier gehören für die WBM zum Verständnis des Wohnens dazu. Räume zur Begegnung sowie soziale Infrastruktur werden bei Neubauprojekten nach Möglichkeit mit in die Planung integriert. Im Erdgeschoss des WBM-Neubaus in der Quedlinburger Straße entsteht beispielsweise eine KiTa für etwa 60 Kinder sowie ein Kieztreff zum Aufhalten und Austauschen. Ab der Fertigstellung wird das Quartier für mindestens fünf Jahre als Wohnraum für Menschen mit Fluchterfahrung genutzt. Auch beim Neubauprojekt in der Friedenstraße in Berlin-Friedrichshain beteiligt sich die WBM an einem öffentlichen Spielplatz, der Erweiterung der dortigen Spartacus-Grundschule und an einer neuen Kindertagesstätte mit bis zu 100 Plätzen.

Eine starke Nachbarschaft: Vor allem Familien profitieren

Ein guter Kontakt unter den Mieterinnen und Mietern im Haus ist besonders für Familien von Vorteil. Die Tochter der Bekannten aus der Kita gleich mit abholen, wenn ihre Eltern es zeitlich nicht schaffen oder den Sohn des Nachbarn beim Spielen auf dem Hof mit im Blick behalten: In genau solchen Situationen hilft es enorm, die junge Familie oder das Seniorenpärchen von nebenan gut zu kennen und sich gegenseitig auszuhelfen. Eine Möglichkeit, dieses Zusammenleben durch gemeinschaftliche Räume im Haus zu fördern, ist das sogenannte Cluster-Wohnen.

Dabei werden private Wohnräume unterschiedlicher Größe mit gemeinschaftlichen Zimmern zu sogenannten Clustern zusammengeschlossen. In jeder dieser Wohneinheiten leben mehrere Mietparteien. Sie bewohnen jeweils ihre Privaträume und gemeinschaftlich genutzte Zimmer, die sie sich mit den anderen Mietparteien ihres Clusters teilen. Diese Gemeinschaftsräume können beispielsweise ein großes Wohnzimmer mit Küche sein und die kleineren, privat genutzten Räume ergänzen. In einem Gebäude gibt es mehrere solcher Cluster, die jedoch untereinander abgetrennt sind.

Menschen aller Altersgruppen in verschiedenen Lebenssituationen können auf diese Weise bezahlbar zusammenleben und die Vorteile des Clusterwohnens ausschöpfen. Besonders Familien profitieren von solch einer gestärkten Gemeinschaft und einem guten Verhältnis zu ihren Nachbarn. Durch kleinere Privatbereiche und mehr gemeinschaftlich genutzte Wohnfläche sinken auch die Mietkosten im Vergleich zum regulären Wohnungsmarkt. Ein Aspekt, der für junge Familien oder Alleinerziehende mitunter nicht unerheblich ist.

Kinder und Familien erobern die Straße

So wichtig Begegnungsräume für Familien und Kinder innerhalb eines Quartiers auch sind: Die unmittelbare Umgebung spielt besonders für Familien mit jüngeren Kindern eine ebenso bedeutende Rolle bei der Wohnungssuche. Neben der Infrastruktur für Betreuung und Bildung geht es dabei insbesondere um die Fußgängerfreundlichkeit und öffentliche Plätze, die als Spielraum dienen. Um die in Berlin häufig stark besuchten Spielplätze zu entlasten und mehr Raum für Kinder und Familien zu schaffen, tauchen seit 2019 vermehrt Pop-up-Spielstraßen in den Städten auf.

Dabei handelt es sich nicht um Spielstraßen im herkömmlichen Sinne, sondern um Straßenabschnitte, die an einzelnen Tagen zu einer gewissen Uhrzeit komplett für den Autoverkehr gesperrt sind. Somit gehört die Straße für einen begrenzten Zeitraum nur den Familien und Kindern zum Austauschen, Roller fahren oder Ballspielen. Diese Projekte werden von den Anwohnenden initiiert und gemeinsam mit der jeweiligen Bezirksverwaltung erarbeitet. Ist eine temporäre Spielstraße erst einmal etabliert, kann sie in Abstimmung mit der Verwaltung in regelmäßigen Abständen immer wieder aktiviert werden. In Berlin gibt es momentan etwa 20 solcher zeitweise autofreien Straßenabschnitte. Sie alle tragen dazu bei, Kindern und Familien auch im öffentlichen Raum genug Platz zum Entfalten und Aufwachsen zu bieten.

Drei Kinder im Grünen