Gesellschaft

Wie hat sich die Bedeutung des Wohnens durch die Pandemie verändert?

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Die Pandemie hat unser Bewusstsein für das eigene Zuhause gestärkt und es noch mehr in unseren Lebensmittelpunkt gerückt. Welche Grundrisse sind im Homeoffice gefragt und wie werden Quartiere mittels Sharing-Prinzip und „Grünen Höfen“ den neuen Anforderungen gerecht?
Inhaltsverzeichnis

Eine neue Art zu Wohnen

Verpuppt sich eine Raupe, bleibt sie für gewöhnlich mehrere Wochen in ihrem Kokon, bis sie sich für einen neuen Lebensabschnitt wieder herauswagt. Sich für eine Zeit in einen geschützten Raum zurückziehen und dort leben – was die Natur bereits seit Ewigkeiten praktiziert, traf während der Hochzeit der Pandemie auch auf den Menschen zu, der sich notgedrungen in das eigene Zuhause zurückzog. Der „Cocooning“-Trend, „sich einzuspinnen“, kam in den USA der 1980er-Jahre erstmalig auf und erlebte ab 2020 erneut einen unfreiwilligen Boom. Die Pandemie hat auf diese Weise das Bewusstsein für das eigene Zuhause massiv gestärkt und es noch mehr in unseren Lebensmittelpunkt gerückt. Mit dem Fokus auf das eigene Zuhause veränderten sich unweigerlich auch die Ansprüche, die Bewohnerinnen und Bewohner an ihre eigenen vier Wände stellen. Zu diesen Veränderungen zählt das zunehmende Verschmelzen von Wohn- und Arbeitsraum sowie die Bereitschaft, Freiräume in einem Quartier gemeinsam zu nutzen und zu gestalten.

Neue Grundrisse für das Arbeiten von zu Hause

Obwohl sich der Alltag mittlerweile weitestgehend normalisiert hat, gehen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiterhin ihrem Beruf aus dem Homeoffice nach. Laut Statistischem Bundesamt arbeitete 2021 knapp ein Viertel der Erwerbstätigen gelegentlich von zu Hause aus. Vor fünf Jahren taten das gerade einmal elf Prozent der Befragten. Immer mehr Arbeitgeber stellen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern frei, teilweise oder gar komplett „remote“ zu arbeiten. Auch die WBM fördert in der rundum erneuerten Unternehmenszentrale in der Dircksenstraße 38 das flexible Arbeiten. Die eigene Wohnung entwickelt sich somit zu einem Raum, in dem Privates und Berufliches buchstäblich nebeneinander stattfinden.

Mit dieser neuen Realität des Arbeitens ändern sich auch die Ansprüche an Wohnungsgrundrisse. Denn die möglichst offene Wohnung mit wenigen und großen Zimmern offenbart bei der Arbeit im Homeoffice Schwächen. Gerade bei mehreren Familienmitgliedern, die in den eigenen vier Wänden arbeiten oder lernen, sind abgetrennte Räume von Vorteil. Wem mehrere abgeschlossene Zimmer in der eigenen Wohnung zur Verfügung stehen, der kann auch abends symbolisch besser Feierabend machen. Die Arbeit verbleibt hinter der Tür im anderen Raum und ist beim Entspannen auf dem Sofa nicht mehr im Blickfeld.

Grüne Oasen in der Großstadt

Mieterinnen und Mieter legen gerade in der Stadt großes Augenmerk auf den Naherholungswert eines Quartiers. Balkon, Dachterrasse oder ein Gemeinschaftsgarten mit Stadtmöbeln im Innenhof – alle Erholungs- und Aufenthaltsräume unter freiem Himmel heben die Wohnqualität auf ein neues Level und können bei passender Ausstattung auch als Räume für die Homeoffice-Arbeit dienen. Solche grünen Oasen in den Quartieren gehen häufig mit gemeinsamen Projekten der Mieterinnen und Mieter einher und bieten somit die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen.

Die WBM unterstützt engagierte Mieterinnen und Mieter seit 2015 mit dem Projekt „Grüne Höfe“. Sie stellt nicht nur Flächen, sondern auch Baumaterial für Hochbeete sowie Erde und Pflanzen zur Verfügung und übernimmt die Gießwasserkosten. „Höfe und Grünanlagen werden nicht nur nachhaltig verschönert sowie klima- und bestäuberfreundlich gestaltet, auch die Gemeinschaft der Bewohnerinnen und Bewohner wird gestärkt“, erläutert Diana Hauser, Mitarbeiterin im Sozialmanagement der WBM. Mehr als 30 „Grüne Höfe“ sind seit dem Start des Projektes entstanden, fünf weitere Mietergärten sind in Planung und sollen noch in diesem Jahr angelegt werden.

Die einschneidenden Veränderungen durch die Pandemie werden mit der Zeit verblassen. Das neue Bewusstsein für die eigenen vier Wände hingegen wird einen nachhaltigen Einfluss auf das Wohnen in den Städten ausüben, mit dem sich Akteure aus Politik und Wohnungsbau auseinandersetzen müssen.